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25.10.2021
Strategie

Co-Working – per Mausklick einen Arbeitsplatz und Netzwerk finden

In einer Zeit, in der die meisten von uns bereits anderthalb Jahre im Homeoffice arbeiten, verändert sich unser Blick auf das Büro der Zukunft sowie unser Arbeitsumfeld. Co-Working, Homeoffice oder doch lieber »normal«? Was wir über den nicht mehr so neuen Arbeitstrend Co-Working wissen müssen und welchen Einfluss er auf den Immobilienmarkt ausübt, beleuchtet unser Beitrag im Detail.
Neue Arbeitsform Co-Working im Blickpunkt der Immobilienwirtschaft

Co-Working ist ein Konzept und eine Antwort auf eine zunehmende Flexibilisierung der Arbeitswelt und ermöglicht neue Chancen für die Kreativwirtschaft in den Stadtquartieren und ländlichen Räumen. Basis dieses Prozesses ist die Digitalisierung aller Lebensbereiche und beeinflusst damit in einem besonderen Maße auch das Berufsleben. Unternehmen können Arbeits- und Geschäftsprozesse so programmieren und bereitstellen, dass Tätigkeiten und Projekte uneingeschränkt online bewegt werden können, von Zuhause und von überall.


Trotzdem wächst mit der Mobilität auch ein Bedarf an temporären Arbeitsplätzen mit Präsenzpflicht. Co-Working beschreibt diese vollkommen neue Arbeitsform. Entsprechende Co-Working Spaces stellen Arbeitsplätze und Infrastruktur, wie Netzwerk, Drucker, Scanner, Telefon, Beamer oder Besprechungsräume, zeitlich befristet zur Verfügung. Also ein Mobile Office als Ergänzung zum Homeoffice und/oder einem dauerhaften Büroarbeitsplatz im bisherigen Verständnis.


Zuerst hatte man die Job-Vagabunden oder den digitalen Nomaden als Zielgruppe ausgemacht, Menschen ohne Festanstellung, die als IT-Entwickler, Texter, Webdesigner, Architekten unternehmerisch unterwegs waren. Sie brauchen am Montag einen Schreibtisch mit PC und Drucker, am Mittwoch einen kleinen Konferenzraum, am Donnerstag mit Kunden eine Lounge für eine Projektpräsentation. Das traditionelle Gespräch oder die notwendige Konferenz wird für die Fälle ermöglicht, in denen eine Kommunikation face to face mehr Erfolg verspricht als ein Online-Kontakt.


Vom Mobile Office zum Cooperate Office – die Nutzer eines Co-Working Spaces profitieren auch untereinander, denn eine offene Kommunikation und der Wissenstransfer optimieren ihre Geschäftstätigkeit und schaffen Kooperationsvorteile für alle, sei es der Architekt vom IT-Programmierer oder der Werbetexter vom Webdesigner. Auch so kann man Sharing Economy beschreiben.

Der zunehmende Bedarf an alternativen Arbeitsformen lässt neue Marktakteure aufs Immobilienparkett treten: Co-Working Betreiber sprechen nun multinationale Unternehmen, Kanzleien oder Start-ups für ihre Office-Ressourcen an. Steigende Büromieten, hoher Mitarbeiterbedarf und -fluktuationen verknappen den Büroraumbedarf, so dass Co-Working als ein innovativer Puffer stark an Bedeutung gewinnt. Weil man sich den Anforderungen der Kunden für den Bürobedarf rascher anpassen kann, ist die Nutzung der Spaces sehr flexibel und meistens auch kostengünstiger. Man vermeidet das Anmieten von eigenen Büroräumen mit Mietverträgen. Auch lässt sich unterstellen, dass Unternehmen ihre regulären Büroflächen mittelfristig reduzieren werden, und damit der Bedarf an flexiblen und temporären Bürolösungen zunehmen wird.


Ein Blick auf den Co-Working Markt – Mehr als nur ein geteiltes Büro?


Anbieter von Co-Working Spaces sind weltweit erfolgreich tätig und ihre Kundschaft nimmt exponentiell zu. Zwei von ihnen am Standort Berlin sollen hier einmal vorgestellt werden:


garden olsen bietet als minimalistischer Space einen voll ausgestatteten Arbeits- und Lebensraum für Designer, IT-Programmierer und deren Kunden am Ostkreuz im Bezirk Friedrichshain mit der Leitidee New Work an, wobei die Assoziation zu New York beabsichtigt ist und Internationalität schafft. Bevorzugte Zielgruppe bleiben Freelancer und Kleinunternehmer im Kiez um den Boxhagener Platz, wo sich mittlerweile eine Kernkompetenz in Co-Creation – ein kooperativer Zusammenschluss im Bereich von Interaktion, Werbedesign und Marketing – gebildet hat. Die Mundpropaganda reiche aus, um die zehn kreativen IT-gestützten Arbeitsplätze zu einem Mietpreis von 400 Euro monatlich zur Verfügung zu stellen, so Geschäftsführer Oliver Feichtinger. Eine Lounge für Gespräche und Präsentationen mit einem einfachen Angebot von Getränken und Gebäck runden das Angebot ab. Im Durchschnitt werden diese Möglichkeiten von den Co-Workern für 18 Monate in Anspruch genommen.


Contora Office Solution Centers ist das Premiumangebot eines nationalen Players im Co-Working und Flexible Office Segment. Am Brandenburger Tor, mit der exklusiven Adresse Pariser Platz, können moderne Bürolösungen, flexible Arbeitsplätze, Team- und Einzelbüros, Konferenzräume und Lounges angemietet werden. Die Anmietung erfolgt für eine Stunde, einen Tag oder länger. Die durchschnittliche Mietdauer beträgt annähernd drei Jahre, die monatlichen Mieten beginnen ab 1.290 Euro. Hybride Lösungen garantieren Gestaltung und Abgrenzung der Büroräume nach den jeweiligen Vorstellungen der Kunden. Umfangreiche Concierge Services erfüllen fast alle Wünsche der Mietparteien. Contora verspricht nicht nur flexible Büroräume, sondern erfüllt mit der Geschäftsadresse Pariser Platz auch die Voraussetzungen, die Kapitalgesellschaften für einen Handelsregistereintrag oder Kanzleien für die Umsetzung der Vorgaben von Rechtsanwaltskammern benötigen. Im Eingangsbereich des Bürogebäudes sind die jeweiligen Firmenlogos sichtbar, sodass der Besucher von einem eigenständigen Auftritt der Firma ausgeht und die Einbeziehung in einem Office Space nicht auffällt. Unterstützt wird dieser Eindruck auch dadurch, dass jeder Mieter eine eigene Rufnummer hat und somit vom Serviceteam der Spaces die individuelle Rufannahme unter dem Firmennamen gewährleistet wird. Das geschulte Serviceteam erfülle sehr individuelle Anforderungen und Wünsche seiner Kunden und sehe auch in diesem Bereich den Marktschwerpunkt der Branche für die Zukunft, so Contora Area Sales Manager Janet Krüger.


Zum Gesamtbild auf dem Markt tragen zudem auch internationale Co-Working Unternehmen wie WeWork, Mindspace oder Regus bei. Die Angebote sind zunehmend auch standardisiert und können online gebucht werden, was viele Kunden dann nutzen, wenn sie nur einen Schreibtisch oder ein Einzelbüro anmieten wollen. Von diesen Spaces werden besonders die Kunden angesprochen, die an vielen Standorten präsent sein wollen und deshalb auf Co-Working Büroplätze dort nicht verzichten wollen. Man erwirbt weniger einen Vertrag, sondern vielmehr eine Mitgliedschaft, um einen weltweiten Zugang für Bürokapazitäten zu allen Spaces des Anbieters zu bekommen – getreu dem Motto: „Arbeiten Sie da, wo Ihre Geschäfte Sie hinführen!“

Informationstechnologie und Immobilien (IT&I) Ausgabe Nr. 31 / April 2021

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Der Zugang ist heute denkbar einfach – und vor allem digital. Viele Menschen können bereits orts- und zeitunabhängig arbeiten. Weil Arbeitskräfte der Zukunft mobil und selbstständig sind, werden Onlineplattformen wie CoworkingGuide genutzt. Hier werden Anbieter und Nachfrager von Büroräumlichkeiten und Arbeitsplätzen in Spaces auf der ganzen Welt rasch zusammengeführt – ganz nach dem Modell von Airbnb. Wer kurzfristig einen Arbeitsplatz benötigt, findet ihn per Mausklick.


Co-Working bewerten – Wie sieht die Immobiliennutzung in Zukunft aus?


Der Co-Working Markt boomt. Jährlich verdoppelt sich sein Flächenumsatz. WeWork wurde beispielsweise in wenigen Jahren an den Standorten London und New York der größte private Nachfrager von Büroräumen. Und gerade diese Entwicklung ist es, die die Transformation von Immobiliennutzungen nachhaltig beeinflusst. Der traditionelle Einzelhandel verliert durch den Online-Handel vermehrt an Bedeutung und Kaufhäuser bleiben dann als leere Immobilien bestehen. Warum dann nicht überflüssige Handelsflächen mit Schreibtischen ausstatten? Eine Frage, die auch Branchenkenner aus gutem Grund stellen. Die aktuelle Covid19 Pandemie sowie die ungewisse Zukunft der Wirtschaft insgesamt können diesen Trend verstärken.


Das beeinflusst auch die Quartiere im Rahmen der Stadtentwicklung. Die räumliche Integration von Arbeit, Wohnen und Freizeit vermeidet Verkehr und damit verbundene Emissionen. Co-Working Spaces können mit ihren »soft infrastructures« Quartiere aufwerten, für weitere Akteure attraktiv sein und Impulse für ihr Umfeld geben, weil sie bewusst die Kommunikation und Kooperation in ihrer Nachbarschaft suchen – abseits ihrer beruflichen Notwendigkeiten.


Diese Betrachtung gilt auch für die ländlichen Räume. Gerade junge Familien werden aufgrund hoher Wohnkosten und der Verkehrs- und Emissionsbelastung Großstädte zunehmend meiden. Die vollständige Digitalisierung macht es möglich. Die Revitalisierung leerstehender Bauernhöfe und Dorfgemeinschaftshäuser in überschaubaren Gemeinden ermöglicht neue Lebens- und Arbeitsräume. Beide Seiten, Co-Working Spaces und ländliche Kommunen, können davon profitieren.


Das ist genau das, was Co-Working Spaces so besonders macht: Die Community, das Netzwerk. Man lernt Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen kennen, knüpft neue Kontakte und hilft sich gegenseitig, und schafft damit eine nachhaltige Form von Wertschöpfung.

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