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01.10.2018
Strategie

HANA ist nicht gleich HANA – Ein Exkurs in das SAP Glossar

Als neue Business Suite wird SAP S/4HANA® die bisherigen ERP-Generationen von SAP ablösen. Spätestens ab dem Jahr 2025 wird der Support für SAP® ERP (für ECC 6.00 und Enhancement Packages) eingestellt. Doch um den Nachfolger HANA kursiert noch viel Halbwissen in der Immobilienwirtschaft.
Exkurs in das SAP Glossar

S/4HANA, on HANA, powered by HANA – Worin besteht der Unterschied? Die vielen Begrifflichkeiten sorgen auch noch nach sieben Jahren bei vielen Kunden für reichlich Verwirrung. Wir bringen etwas Ordnung in das Durcheinander und bieten eine Erklärung.


Auf den Punkt gebracht


HANA ist im Grunde nur ein Oberbegriff für eine ganze Reihe an Anwendungen und Lösungen der SAP. Daher ist es zum besseren Verständnis einfacher, HANA in drei Ebenen zu betrachten.


Den Kern im Jahre 2011 beginnend bildet die ursprüngliche Datenbank SAP HANA. Diese innovative In-Memory-Technologie hält die aktuellen Daten im Hauptspeicher und nutzt dazu neue Verarbeitungstechniken. Als Anwender kommt man zwar kaum mit der Technologie in Berührung, das Arbeiten erlebt man jedoch in gänzlich neuen Geschwindigkeitsdimensionen. Analysen und Reportings können schnell und effizient verarbeitet werden, wenn nötig sogar mit vielen Daten. Mit diesem Schritt schafft SAP optimale Voraussetzungen für die Verarbeitung von Big Data. Einher mit diesem Schritt in die In-Memory-Technologie geht im Hause der SAP der Prozess der sogenannten Simplification, in dem vorrangig verschiedene Teile der SAP-Datenbank verschlankt werden. Waren es in der alten Welt oft eine Vielzahl von Hauptdatentabellen mit Sub- und Aggregationstabellen, so werden viele dieser Sub- und Aggregationstabellen durch Views auf nunmehr größere Haupttabellen ersetzt.


Aber HANA ist mittlerweile mehr als nur eine In-Memory Datenbank und hat sich schnell von der IT-Infrastruktur zu einer kompletten Anwendungsumgebung weiterentwickelt. In diesem Zusammenhang wird Ihnen die Bezeichnung SAP S/4HANA® häufig begegnen. Das Kürzel S/4HANA versinnbildlicht nach SAP® R/2®, SAP® R/3® und SAP® ERP die vierte Generation der Business Suite, wobei das S für „Simple“ steht. Es ist damit seit 2015 die erste Komplettlösung für nahezu alle Geschäftsbereiche eines Unternehmens auf Basis der SAP HANA Datenbanktechnologie mit dem vereinfachten Datenmodell, welche sowohl als Lösung für das eigene Rechenzentrum – also „on premise“ – als auch als Cloud-Lösung angeboten wird. Die On-Premise Variante empfiehlt sich allen Unternehmen, die SAP S/4HANA® im Rechenzentrum oder inhouse betreiben wollen. Jedes Release beinhaltet ein Wartungsangebot über fünf Jahre und jährlich erscheinen neue Releases. Eine quartalsweise Aktualisierung wird dagegen bei der S/4HANA Cloud Version angeboten.


Die SAP Cloud Platform (SCP) ist ein Platform-as-a-Service Angebot der SAP, wobei der Betrieb ausschließlich in einer Public Cloud in den Rechenzentren der SAP erfolgt. Das heißt, Kunden dieser Lösung profitieren von einer sofortigen Verfügbarkeit, ohne selbst Hardware beschaffen und installieren zu müssen. Der Funktionsumfang der HANA Releases sowie die Verfügbarkeiten der jeweiligen Releases weichen im Vergleich zum On-Premise-Modell ab. So werden einige Lösungsszenarien im Bereich Immobilienwirtschaft oder der Versorgungsindustrie in der Cloud voraussichtlich nicht on-premise bereitgestellt. Dennoch bieten sich sehr gute Kombinationsmöglichkeiten der beiden Modelle, beispielsweise im Rahmen der Reisekostenabrechnung. Eine zusammenfassende Gegenüberstellung der wesentlichen Unterschiede finden Sie in Abbildung 1.

Vergleich der Produkte SAP S/4HANA® und SAP Cloud Platform (SCP)

Abbildung 1: Vergleich der Produkte SAP S/4HANA® und SAP Cloud Platform (SCP).

Im Unterschied zu S/4HANA gibt es auch ERP-Systeme, wie beispielsweise das SAP® ERP Release 6.0 EHP7, die zwar ebenfalls auf der HANA Datenbank laufen, aber „nur“ im Nachhinein leistungsfähiger gemacht wurden. Diese Lösungen werden letztendlich als „powered by SAP HANA“ bezeichnet. Umstellungen des bestehenden ERP-Systems auf die neue Datenbank finden wir in der Praxis sehr häufig, weil der Umstieg von SAP® ERP auf S/4HANA in der Regel durch eine Migration auf die HANA Datenbank eingeleitet wird. Die betriebswirtschaftlichen Funktionen bleiben bei einer „powered by HANA“ Anwendung jedoch unverändert, was zur Folge hat, dass das Unternehmen auf notwendige Produktinnovationen oder die gründliche Beurteilung von Geschäftsprozessen verzichtet. Die Potenziale in Performance und Anwendungserleichterung mit der neuen Datenbanktechnologie können mit dieser Vorgehensweise nicht voll ausgeschöpft werden. S/4HANA vereint sowohl die vollständige Entwicklung auf der HANA Datenbank, das vereinfachte Datenmodell verbunden mit optimierten Programmlogiken, sodass Prozesse verschlankt und beschleunigt werden können, als auch neue Benutzeroberflächen mit dem Ziel einer einfacheren Bedienung.


Vier gewinnt!


Im direkten Vergleich von Vorgänger und Nachfolger lassen sich die Vorteile von SAP S/4HANA® am deutlichsten herausstellen. Die hohen Verarbeitungs- und Reaktionsgeschwindigkeiten auf Grundlage der In-Memory Datenbank sind sicher die am häufigsten vorgetragenen Argumente für eine Umstellung auf SAP S/4HANA®. Darüber hinaus gibt es weitere Aspekte zu beleuchten.


Anwenderfreundlichkeit: Der findige Bearbeiter navigiert sich durch den Aufruf von Transaktionscodes schnell durch die verschiedenen Anwendungen des bewährten SAP® ERP. Doch die komplexen Funktionalitäten setzen eben jene fundierten Kenntnisse und eine sehr lange Einarbeitungszeit voraus. Mit der neuen Benutzeroberfläche SAP Fiori® wird die Informationsdichte der Masken deutlich verringert. Obwohl sich Anwender auch hier zunächst einmal an eine neue Oberfläche gewöhnen müssen, dürfte die Einarbeitungsphase kaum einen Nachteil darstellen. Das übersichtliche Design von Fiori® erlaubt eine intuitive und zudem geräteunabhängige Bedienung von SAP®. Außerdem erweitert SAP S/4HANA® die analytischen Darstellungsoptionen von Sachverhalten innerhalb der Anwendung und trägt somit beispielsweise wiederum zu schnelleren Entscheidungsfindungen bei.

Informationstechnologie und Immobilien (IT&I) Ausgabe Nr. 25 / Oktober 2017

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Speicherkapazität: SAP® ERP nimmt einen vergleichsweise hohen Speicherbedarf in Anspruch, was u. a. zur Verlangsamung des Datenabrufs führen kann. Bei SAP S/4HANA® werden die Daten zum Abruf im Hauptspeicher gehalten und nicht von der Festplatte gelesen (dort aber weiterhin sicher gespeichert). Durch Komprimierung der Daten und Auslagerung nicht mehr aktuell benötigter Daten sowie der Verzicht auf nicht mehr notwendige, redundante Tabellen (Indizes) belegt S/4HANA insgesamt einen deutlich geringeren Gesamtspeicherplatz.


Rollen und Berechtigungen: S/4HANA bringt außerdem ein optimiertes Rollen- und Rechtesystem mit, sodass jeder Anwender nur Zugriff auf die Anwendungen erhält, die für ihn vorgesehen sind. Das bisherige ERP umfasste ebenfalls ein komplexes Berechtigungssystem, welches die individuelle Vergabe von Rechten ermöglichte, eine klare optische Trennung in der Darstellung allerdings vermissen ließ.


Zukunftsfähigkeit: Die offene Systemstruktur von SAP® ERP ermöglicht individuelle Anpassungen und Erweiterungen des Funktionsumfangs, weshalb das ERP als IT-Plattform in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich war. Im Hinblick auf die digitale Transformation und den damit einhergehenden Wandel in unseren Arbeitsabläufen sind der Technologie jedoch die Grenzen gesetzt. S/4HANA schafft die notwendigen Voraussetzungen sowie die Wendigkeit, die Möglichkeiten von Big Data, Maschinellen Lernens, Künstlicher Intelligenz oder des Internets der Dinge nutzbar zu machen. Der Single Point of Truth, werthaltige Prognosen auf Basis von Live-Daten, beispielsweise zur Flächennutzung, Gebäudekosten oder Finanzströmen, sowie die direkte Auswertung von Resultaten ohne Einschränkungen in zeitlicher, örtlicher oder gerätespezifischer Nutzbarkeit lassen in naher Zukunft aus der Vision gängige Praxis werden.


Spieglein, Spieglein an der Wand


Die PROMOS Produktstrategie verfolgt das Ziel, zukünftige Entwicklungen in der digitalen Arbeitswelt, in der Immobilienbranche und bei SAP frühzeitig zu antizipieren und für unsere Kunden in praktikable und leistungsbefähigende Lösungen umzusetzen. In diesem Sinne prägen vier wesentliche Prämissen die Produktentwicklung in den kommenden Jahren:

  • Herstellung höherer Performance und optimierter Programme mit SAP Technologien auf Basis von S/4HANA und der HANA Datenbank,
  • Berücksichtigung des veränderten Anwenderverhaltens mittels benutzerfreundlicher und rollenbasierter Oberflächen auf Basis von SAP Fiori®,
  • Optimierung der Prozesssteuerung durch die Automatisierung von Abläufen sowie vollständige Digitalisierung mittels elektronischer Akten, Formulare und Ticketsystemen auf Basis von easysquare workflow,
  • Nahtlose Integration mobiler Prozessschritte in die immobilienwirtschaftliche Prozesslandschaft durch die Digitallösung easysquare mobile.
Produktinnovationen aus dem Hause SAP und PROMOS

Abbildung 2: Produktinnovationen aus dem Hause SAP und PROMOS.

Diese Weiterentwicklung erfolgt schon heute in den bereits produktiv umgesetzten und in der Implementierung befindlichen Migrations- und Einführungsprojekten der PROMOS.


Ausblick


Konkret hat die Produktstrategie zur Folge, dass PROMOS consult bis zum Jahr 2025 das eigene Lösungsportfolio umfangreich für HANA erweitern und optimieren wird. Auf diesem Weg werden wir Sie regelmäßig über aktuelle Ergebnisse und Neuerungen informieren. Und wenn Sie sich derzeit ebenfalls mit einer Umstellung auf S/4HANA beschäftigen, dann lassen Sie uns es wissen!


Wir begleiten und beraten Sie bei der Migration, bei deren Vorbereitung sowie bei sämtlichen Schritten zur Entscheidungsfindung.

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